Hörspracherziehung

Hörspracherziehung

Technische Hörhilfen, inclusive Cochlea Implantate, ermöglichen heutzutage das Erlernen der Sprache über das Hören auch dann, wenn ein Kind als gehörlos diagnostiziert wurde. Aus dem einstigen Sprach- und Hörtraining hat sich die Hör-Sprach-Erziehung entwickelt, welche sich nicht nur auf bestimmte Therapiestunden beschränkt, sondern den ganzen Tageslauf eines Kindes betrifft. Als Vorbild dient dabei die Entwicklung der Sprache des hörenden Kindes und nicht irgendein Plan.
Kommentiert und besprochen wird, was gerade geschieht, was das Kind tut, was es in der Hand hält. Eltern sprechen zu ihren Babys in normalen Sätzen auch dann, wenn diese nur wenige Tage oder Monate alt sind. Sie reagieren mit Sprache, wenn die Kinder weinen oder lautieren. Genau das ist auch bei einem Kind mit einer hochgradigen Hörbeeinträchtigung der richtige Einstieg in das Hören und Reagieren auf Stimmen.

Antonius van Uden, Dr. phil., katholischer Priester und Gehörlosenlehrer am Institut voor Doven in Sint-Michielsgestel nannte diese Art der Hör-Spracherziehung „Mutterschule“ und beschrieb das Vorgehen ausführlich in seinem Buch:
„Die Welt der Sprache für gehörlose Kinder“ (1976)

Wird zu dem Kind mit einer Hörbeeinträchtigung im täglichen Leben in richtigen Sätzen gesprochen, pickt es sich einzelne Wörter, die ihm wichtig sind, heraus und wendet diese auch richtig an, sobald es in seiner Entwicklung so weit ist. Die Satzformen der zu ihm gesprochenen Sätze aber haben in dieser Zeit bereits eine Art Raster im Gehirn des Kindes gebildet, in den es später seine bereits erlernten Wörter einsetzt.

Die Erziehung eines Kindes braucht immer Zeit und Geduld. Für Kinder mit einer Hörbeeinträchtigung vielleicht ein wenig mehr. Aber sie bringt für ihr ganzes Leben die grössten Vorteile.